Die etwas andere liberale Stimme aus der Hansestadt Lübeck

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Uni-Diskussion: Hut ab vor Gerrit Koch & Co.!

In Allgemein on 8. Juli 2010 at 08:59

Bei aller berechtigter Kritik an den schwarz-gelben Koalitionsparteien im Schleswig-Holsteinischen Landtag ist es langsam an der Zeit, auch mal Anerkennung auszusprechen. Der Lübecker FDP-Abgeordnete Gerrit Koch hat sich als charakter- und standfest erwiesen, nachdem er – freilich entgegen anfänglicher Verteidigung der Sparpläne – sich öffentlich klar zum Fortbestand der Medizinerausbildung in Lübeck bekannt hatte. Dabei kann man nur spekulieren, wie groß der Druck aus den Regierungsfraktionen auf den Abgeordneten angesichts der hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme wirklich gewesen sein mag. Die von FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki zur Schau getragene Liberalität („Herr Koch ist ein frei gewählter Abgeordneter und an nichts anderes gebunden als sein Gewissen“, LN vom 08.07.2010) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gerrit Koch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem Maße „unter Feuer genommen“ worden sein wird, das seinesgleichen sucht. Der Lohn der Standfestigkeit: Auch andere Abgeordnete aus den Koalitionsfraktionen haben sich aus der Deckung gewagt und öffentlich angekündigt, einer Schließung der medizinischen Fakultät in Lübeck nicht zuzustimmen, nämlich der Stockelsdorfer CDU-Abgeordnete Hartmut Hamerich und jetzt auch die FDP-Abgeordnete aus Bad Oldesloe, Anita Klahn.

 Damit dürfte die beabsichtigte Schließung des Lübecker Medizin-Studienganges endgültig vom Tisch sein. Allerdings hat dieser „Punktsieg“ gegen die politische „Kiel-Mafia“ (anders kann man es nach den sukzessiven Enthüllungen der Hintergründe der Schließungspläne kaum mehr bezeichnen) einen schalen Beigeschmack: Warum haben die fraglichen Abgeordneten ihr Rückgrat erst so spät entdeckt und nicht gleich während der fraktionsinternen Beratungen des Sparpaketes ihr Veto gegen das „Plattmachen“ der Lübecker Uni eingelegt? Das wäre im Ergebnis nicht nur für die Lübecker Hochschuleinrichtung besser gewesen, die ungeachtet des sich abzeichnenden Erfolgs der Proteste beschädigt worden ist (Abgänge von wissenschaftlichem Personal u.ä.). Es hätte auch die Blamage für die schwarz-gelbe Landesregierung verhindert und wäre damit gleichsam ein Akt der innerfraktionellen bzw. innerparteilichen Loyalität gewesen.

Etwas mehr Lokalpatriotismus, bitte!

In Allgemein on 7. Juli 2010 at 09:49

Im Kampf um den Erhalt der Medizinerausbildung in Lübeck wurde aus meiner Sicht bisher zu Unrecht das Schwergewicht der Argumentation auf die fachspezifischen Aspekte und dabei die legitime Forderung nach ausgewogener Regionalpolitik vernachlässigt. Die Regierung eines Landes darf schlicht nicht Landesteile einseitig bevorzugen, insbesondere wenn es um die Unterhaltung wertschöpfender Einrichtungen mit Steuermitteln geht. Hier ist Kiel gegenüber der annähernd gleich großen Stadt Lübeck gegenüber Kiel schon durch den Sitz der Landesregierung mit ihren Ministerien, des Parlamentes und der einzigen Volluniversität im Lande klar bevorteilt.

 Nun mögen „vornehme Hansestädter“ ungern als Lokalpatrioten gelten, erst Recht nicht solche mit wissenschaftlichem Einschlag. Dies stellt sich jetzt einmal mehr als Fehler heraus.

So nahm man insbesondere seitens der Uni-Leitung die (eigentlich äußerst dreiste) Forderung der Landesregierung bereitwillig auf, ein Gegenkonzept zum einseitig die Region Lübeck belastenden Spardiktat zu entwickeln. Dabei nahm man auch die Vorgabe hinsichtlich des zu erbringenden Einsparvolumens von jährlich 24 bis 26 Mio. Euro ab 2015 fast widerspruchslos hin. Nun liegt das Gegenkonzept der Lübecker Uni vor. Es sieht neben anderen, vor allem die Lübecker Uni treffenden Sparmaßnahmen auch eine Reduzierung von Studienplätzen vor, allerdings in Lübeck und Kiel. Prompt schlug ein Schwall von Ablehnung auf die Uni nieder. Allen voran Wirtschaftsminister de Jager kritisierte sofort die Vorschläge als ein „Konzept zu Lasten Dritter“  – gemeint war natürlich die unter Artenschutz stehende Landeshauptstadt mit ihrer Universität.

Landauf, landab versicherten uns Politiker der Landesregierung, aber auch der diese tragenden Koalitionsfraktionen (CDU und FDP), die Lübeck betreffenden Schließungspläne seien nicht gegen die Stadt und die Region gerichtet, sie seien alternativlos und so weiter und so fort. Spätestens seit heute ist jedoch „die Katze aus dem Sack“: Die „Lübecker Nachrichten“ berichten in großer Aufmachung, dass die schwarz-gelbe Landesregierung jetzt „ eins zu eins“ bislang geheim gebliebene Schließungspläne aus dem Jahr 2009 aufgegriffen hat, entwickelt vom Ex-Dekan der medizinischen Fakultät in Kiel. Vorgestellt und beraten worden sei dieser Plan im Januar vergangenen Jahres, unter konspirativen Bedingungen. Teilnehmer der Runde waren neben unserem jetzigen Minister de Jager auch Dr. Carl Herrmann Schleifer, besser bekannt als „Chef-Sanierer“ des UKSH (http://www.ln-online.de/regional/2815102)..

 Die LN decken damit einmal mehr unappetitliche Seilschaften (oder sollte man besser sagen: mafiöse Strukturen) zwischen der Landesregierung und der Landeshauptstadt Kiel sowie den dort ansässigen Institutionen zum Nachteil (insbesondere) der Region Lübeck auf. Es geht im Kern vorrangig nicht um rationale Erwägungen im Sinne des Wohles des ganzen Landes Schleswig-Holstein, sondern um kaltschnäuzige, bewusste Bevorzugung der Landeshauptstadt. Der LN-Kommentar (Titel: „Skandalös“, siehe Anhang) trifft insoweit „den Nagel auf den Kopf“.

Ich hätte mir ähnlich deutliche Worte von dem Lübecker Kreisverband meiner Partei gewünscht, ebenso wie einen energischen Widerspruch der Lübecker Vertreter in der Landtagsfraktion und im Landesvorstand der FDP, bevor die einseitigen Sparpläne der Öffentlichkeit präsentiert wurden!

LN-Kommentar07.07

Bin ich reich?

In Allgemein on 29. Juni 2010 at 09:18

Weshalb ich mir überhaupt derartige Gedanken mache, ist die aktuelle Diskussion über die stärkere Belastung von „Besserverdienenden“, die nun auch vermehrt unter Liberalen geführt wird, und zwar völlig zurecht, wie ich betonen möchte. Selbst vielen FDP-Mitgliedern waren die ständigen Steuersenkungslitaneien der Parteiführung in Berlin angesichts der Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrise und dadurch bedingter Rekordverschuldung der öffentlichen Hand zunehmend peinlich. Von dem überflüssigen Steuerrabatt für Hoteliers ganz zu schweigen, auch wenn sich insoweit allerdings mehr und mehr die CSU als treibende Kraft entpuppt. Die FDP soll nämlich bereit gewesen sein, in der Berliner Koalition auf dieses Steuergeschenk zu verzichten (vgl. Lübecker Nachrichten, 26.06.2010, Seite 4). Dass das Sparpaket der Bundesregierung, so dringend es auch erforderlich ist, Lasten ungleich verteilt, ist offensichtlich. „Die FDP hätte beim Sparpaket darauf achten müssen, dass es sozial ausgewogen ist“, bemerkte unlängst treffend Jürgen Koppelin, FDP-Parteivorsitzender in Schleswig-Holsteins und einer der Stellvertreter Westerwelles. Eine auch so genannte „Reichensteuer“ dürfte also auf kurz oder lang kommen (müssen).

Damit komme ich wieder zur Eingangsfrage zurück: „Bin ich reich?“ Diese Frage an mich selbst ist rhetorisch – ich bin es nicht, ich fühle mich jedenfalls nicht so. Wobei die teilweise synonym verwendeten Begriffe „reich“ und „besser verdienend“ durchaus eher verschwommen sind. Wir erinnern uns gern an den peinlichen Lapsus des damaligen SPD-Bundesvorsitzenden und einstigen SPD-Hoffnungsträgers Rudolf Scharping, der im Bundestagswahlkampf 1994 eine Ergänzungsabgabe für „Besserverdienende“ forderte und diese Grenze bei einem Jahreseinkommen von 50.000 für Ledige und 100.000 für Verheiratete setzte – wohlgemerkt D-Mark! Auf Nachfrage eines Journalisten betonte Scharping dann, dass er Bruttoeinkommen meine. Auch wenn wenig später zurückgerudert wurde, er habe „netto“ gemeint, ist festzustellen, dass man für den SPD-Bundesvorsitzenden 1994 also mit umgerechnet rund 50.000 Euro Netto-Familieneinkommen als Verheirateter zu den „Besserverdienern“ gehörte. Mit dieser Vorstellung stand bzw. steht Scharping allerdings nicht allein. Angeblich seien laut einer aktuellen Forsa-Umfrage 42 Prozent der Deutschen, die über ein Nettoeinkommen von über 4000 Euro monatlich verfügen, bereit, zur Bewältigung der Krise mehr Steuern zu entrichten, berichteten die Lübecker Nachrichten am 24. Juni 2010.

Nun kann ich mich als Verheirateter mit drei schulpflichtigen Kindern glücklich schätzen, zu diesem Kreis von Einkommensbeziehern zu gehören – womit der Fiskus bereits knapp 1.200 Euro Lohnsteuer an mir „verdient“ hat, was auch völlig in Ordnung ist. Zieht man die monatlichen Belastungen für das Haus, Auto, Kleidung, Essen usw. ab, so würde es ohne zusätzliche Einkünfte (z.B. Kindergeld) schon recht knapp. Um nicht missverstanden zu werden: Uns geht’s gut und wir haben wahrlich keinen Grund zu jammern, aber „reich“ sind wir dadurch nun wirklich nicht – typisch Mittelschicht eben. Wobei wir bei der eigentlichen Gefahr der aktuellen Diskussion angelangt sind, dass nämlich denjenigen Zusatzlasten aufgebürdet werden, die schon jetzt dem Staat das höchste Steueraufkommen garantieren, ohne dass diese sich wirklich in Einkommenssphären befänden, in denen man von „Reichtum“ sprechen könnte.

Man kann daher nur hoffen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung hier mit Augenmaß vorgeht, und – in diesem Sinne positiv – auf die FDP setzen. Eine wie auch immer geartete steuerliche Mehrbelastung sollte sich auf diejenigen konzentrieren, die tatsächlich so wohlhabend sind, dass sie die Zusatzsteuer ohne große Einschränkungen im täglichen Leben zahlen können.

Noch besser wäre es natürlich, wenn der Bundesgesetzgeber die Kraft zu einer wirklichen Steuerreform aufbrächte, die sich auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens stützen könnte. Ich denke nicht erst seit den aktuellen, öffentlichen Bekenntnissen einiger prominenter Spitzenverdiener (vgl. „Reiche wollen mehr Steuern zahlen“, LN vom 24.06.2010, Seite 4), dass die Grundbereitschaft „gut Betuchter“ durchaus da ist, sich finanziell mehr am Gemeinwesen zu beteiligen, und sei es auch nur um der Bewahrung des sozialen Friedens willen. Wenn dann im Gegenzug die „Neiddebatte“ ein für allemal beendet werden könnte und nicht jedes Mal bei Auftauchen neuen staatlichen Finanzbedarfs (z.B. in den Sozialsystemen) sofort wieder begehrlich auf das „Portemonnaie der Besserverdienenden geschielt“ würde (die ja zurecht auch jetzt schon mehr Steuern zahlen als andere), hätten alle etwas davon. Aber nun gleite ich wohl ins Visionäre ab…

Rechtswidriger Lehrerstreik: Lobbyarbeit auf Kosten der Kinder

In Allgemein on 2. Juni 2010 at 16:03

Die Lübecker LINKEN begrüßen den für den 03. Juni 2010 angekündigten Lehrerstreik.

http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=61445

Nun mag man ja von den erwähnten Maßnahmen der Landesregierung halten was man will. Völlig unstreitig ist ein beamteter Lehrer (wie jeder andere Beamte auch) nicht berechtigt zu streiken – als Ausgleich genießen Beamte Privilegien, von denen manch‘ Arbeitnehmer träumt! Streikt ein Beamter trotzdem, so hat er sich für diese Dienstpflichtverletzung disziplinarrechtlich zu verantworten. Das ist keinesfalls eine Erfindung der Landes-FDP, sondern schon seit Jahrzehnten gesetzlich vorgeschrieben. Würde das FDP-geführte Bildungsministerium die betreffenden Lehrer nicht darauf hinweisen, verstieße es seinerseits gegen seine beamtenrechtliche Fürsorgepflicht.

Deshalb halte ich es als Vater schulpflichtiger Kinder für verantwortungslos, ja, für eine bodenlose Frechheit, wenn Lehrer bereits den Eltern über die Schüler Unterrichtsausfall wegen des (rechtswidrigen) Streiks am 03. Juni ankündigen – und das noch unter dem Deckmantel der „Nächstenliebe“! Als ginge es den unmittelbar betroffenen Lehrern ausschließlich oder zumindest vorrangig um das Wohl der ihnen Anvertrauten, und nicht um die Abwendung persönlicher Nachteile (Arbeitszeitverlängerung)!