Die etwas andere liberale Stimme aus der Hansestadt Lübeck

Neue Bürgerschaftsfraktion greift in die Stadtkasse

In Allgemein on 2. Mai 2011 at 15:55

Gerüchte gab es schon länger, jetzt ist es amtlich: Die Lübecker Bürgerschaft hat eine neue Fraktion. Klaus Voigt und Jens-Olaf Teschke haben sich unter dem Namen „Freie Unabhängige Lübecker“ zusammengetan. Der Name dürfte Programm sein, denn beide dürften auch hinsichtlich der politischen Einstellung „frei und unabhängig“ voneinander sein. Es erscheint jedenfalls nur sehr schwer vorstellbar, dass Klaus Voigt als ehemaliges Mitglied der Partei „Die Linke“ und Jens-Olaf Teschke, vormals Mitglied der „Bürger für Lübeck“, politisch-inhaltlich viele Gemeinsamkeiten verbindet. Damit trägt die neue Fraktion geradezu den Stempel der bloßen Zweckgemeinschaft. Mit dem Fraktionsstatus erhalten die bislang fraktionslosen „Einzelkämpfer“ nämlich mehr Mitwirkungsrechte in der Bürgerschaft. Sie können als Fraktion vor allem sämtliche Ausschüsse zumindest mit einem stimmrechtslosen sog. „Grundmandat“ besetzen und damit auch in den Ausschüssen eigene Anträge stellen. Da sie dies nicht in persona tun müssen, sondern auch jeweils sog. bürgerliche Mitglieder (ohne Bürgerschaftsmandat) entsenden können, können Voigt und Teschke auf diesem Wege ihre kommunalpolitische Tätigkeit auf mehrere Schultern verteilen.

Wären dies die einzigen Folgen der Fraktionsneugründung, könnte man hierfür unter dem Gesichtspunkt der Herstellung von politischer „Waffengleichheit“ mit anderen Fraktionen noch ein gewisses Verständnis aufbringen. Dieses schlägt jedoch schnell in das Gegenteil um, wenn man die weiteren Folgen betrachtet. Die neue Fraktion „Freie Unabhängige Lübecker“ hat nämlich ab sofort in gleichem Umfang wie andere „kleine“ Fraktionen (also Linke, Grüne, BfL und FDP) Anspruch auf Fraktionszuwendungen aus der Stadtkasse, pro Jahr immerhin rund 105.000 Euro. Hinzu kommen Sachleistungen in Form von Büroräumen, die man einschließlich Nebenkosten und Büroausstattung sicher noch einmal mit 10.000 Euro jährlich veranschlagen darf. Rechnet man die Aufwandsentschädigungen für die Ausschussarbeit sowie Funktionszulagen (Fraktionsvorsitzender) dazu, kommt man leicht auf einen zusätzlichen jährlichen  Gesamtaufwand für die Stadt in Höhe von 125.000 Euro.

Nun mag man ja zu städtischen Fraktionszuwendungen stehen wie man will und diese mit gewissem Recht als legitimen Preis für die Demokratie ansehen. Schließlich verlangen die immer komplexeren Anforderungen an die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker/innen auch eine gewisse Professionalität des Ehrenamtes gegenüber der hauptamtlichen Verwaltung, die durch das Ehrenamt kontrolliert werden soll. Wenn aber über Parteilisten in die Bürgerschaft gewählte Mandatsträger die jeweiligen „Mutterfraktionen“ verlassen, um dann den städtischen Haushalt jährlich um Beträge zu „erleichtern“, für die mancher „Normalbürger“ seinen Traum vom selbst erarbeiteten „Reihenhäuschen“ verwirklicht, kann dies nur sprachlos und wütend machen. Schließlich hat die Wählergemeinschaft und Fraktion „Freie Unabhängige Lübecker“ nicht eine einzige Wählerstimme bei der Kommunalwahl erhalten. Moral und politischer Anstand sehen ganz sicher anders aus!

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  1. Wer ist denn demokratisch legitimiert? Diejenigen, die gewählt wurden und die Wähler durch ihr Handeln in der Folge belogen haben, oder diejenigen, die aus diesen Gruppierungen austreten und weiter für das stehen, was im Wahlkampf versprochen wurde.
    Herr Heidenheim, die BfL hat doch nun wirklich alles konterkariert, für was sie im Wahlkampf angetreten ist. Von wechselnden Mehrheiten, Offenheit, Bürger in Entscheidungen einbeziehen, Grünstrandbebauung usw. ist gar nichts übrig geblieben!

  2. DANKE, lieber Herr Schalies, für die klaren Worte.
    Mal sehen, wie lange deren Großmannssucht für unsere verarmte Stadt verträglich ist. Jedenfalls habe nicht nur ich Teschke, schon von der BfL-Gründung her, richtig eingeschätzt – in dessen Selbstüberschätzung. Hochmut kommt in der Regel vor den Fall.

    Till Heidenheim
    23568 Lübeck
    (BfL)

    • Sehr geehrter Herr Heidenheim,

      ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie übel Herrn Teschke von Ihrem Faktionsvorsitzenden Herrn Mildner und seinem Stellvertreter Herrn Böhm in Bezug einer Aussichtsratswahl in der Bürgerschaft mitgespielt wurde und darum stelle ich an Sie als Mitglied der BfL die Frage:

      Wie sieht es in Ihrer Wählergemeinschaft mit Moral und politischem Anstand aus?

      Es dankt Ihnen mit freundlichen Grüßen im voraus für eine Antwort

      Meike Jorga

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