Die etwas andere liberale Stimme aus der Hansestadt Lübeck

Lehrerstreik: Psychoterror auf dem Rücken der Kinder!

In Allgemein on 2. Juni 2010 at 16:54

Soeben erfuhr ich von einem Schreiben des Schulelternbeirates einer Lübecker Schule, in dem die Eltern formularmäßig um die Abgabe einer Unterstützungserklärung in bezug auf die Forderungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gebeten werden. Mein 11jähriger Sohn brachte besagtes Schreiben mit nach Hause und wollte dieses unterschrieben wieder bei seiner Klassenlehrerin abgeben. Auf den Einwand meiner Frau, dass sie Bedenken habe und die Angelegenheit erst einmal mit mir besprechen wolle, brach mein Sohn in Tränen aus und jammerte, dass er dann der Einzige in seiner Klasse sei, der das Schreiben nicht unterzeichnet wieder mitbringe. Das Formularschreiben entspricht übrigens fast wörtlich dem hierfür herausgegebenen Musterschreiben der GEW: http://www.gew-sh.de/wDeutsch/pdf/eltern.pdf

Hier wird bewusst – von der GEW gesteuert – auf dem Rücken der Kinder Psychoterror gegen Eltern betrieben, um ihnen eine Solidaritätsbekundung abzunötigen – für Forderungen, die teilweise unter dem Deckmantel des Kampfes für bessere Bildung den persönlichen Interessen der Lehrer (Senkung der Arbeitsbelastung, Reduzierung der Pflichtstunden) dienen ! Wir werden da nicht mitmachen!

Um es klarzustellen: Meine Kritik richtet sich allein gegen die unlautere Art und Weise, mit der hier für die Interessen der Berufsgruppe  gekämpft wird, sprich: die bewusste Instrumentalisierung von Kindern. Dass die angekündigten Spar- und Organisationsmaßnahmen der Landesregierung im Schulbereich sicher teilweise fragwürdig erscheinen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und noch ein Hinweis der Fairness halber: Der Streikaufruf der GEW bezieht sich ausdrücklich nur auf Lehrer im Angestelltenverhältnis!

Advertisements
  1. Hinweis: Die Mail von Herrn Gebert ist hier veröffentlicht:
    http://meinwochenspiegel.de/lehrerstreik-psychoterror-auf-dem-rucken-der-kinder/12235#comments

    Sehr geehrter Herr Gebert,

    vielen Dank für Ihre unten stehende Mail vom heutigen Tage.

    Sie weisen zurecht wörtlich auf folgendes hin:

    „Wir leben in einer Demokratie, die von vielen Facetten von Meinungen lebt und sich weiterentwickelt. Dazu gehört auch, unbequeme Meinungen zu äußern…“

    Vor dem Hintergrund Ihrer völlig zutreffenden vorerwähnten Feststellung entbehrt es aus meiner Sicht allerdings nicht einer gewissen Komik, dass Sie angesichts der von mir getätigten, zugegebermaßen zugespitzt formulierten und für Sie offenbar unbequemen Meinungsäußerung gleich eine Entschuldigung fordern.

    Hierzu sehe ich indes überhaupt keine Veranlassung, zumal ich meine Kritik an dem Vorgehen des Elternbeirates vollen Umfangs aufrecht erhalte. Schließlich hat dieser es jedenfalls sehenden Auges hingenommen, dass Schulkinder für die von der GEW maßgeblich zumindest mitgesteuerten politischen Protestaktion instrumentalisiert wurden. Natürlich haben Sie mit folgendem Hinweis aus Ihrem Schreiben völlig Recht:

    “ Wir alle, und insbesondere Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer sind verpflichtet, unseren Kindern eine Bildung zu garantieren, die es ihnen ermöglicht, in dieser Welt und in unserer Gesellschaft zu bestehen. Dazu gehört im Rahmen der Erziehung zur Demokratie und demokratischen Verhaltens, Fakten zu hören, miteinander zu vergleichen und sich zu entscheiden.“

    Gerade dem letzten Satz Ihrer vorzitierten Ausführungen wird das von mir kritisierte Vorgehen des Elternbeirates aber in überhaupt keiner Weise gerecht, denn das von Ihnen über die Schulkinder an die Eltern verteilte Formschreiben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt naturgemäß nur eine sehr einseitige Sicht der Dinge dar und läßt es somit kaum zu, alle maßgeblichen „Fakten zu hören, miteinander zu vergleichen und sich zu entscheiden.“

    Aus meiner Sicht ist bereits der Aufruf des Elternbeirates an die Eltern, sich mit den Verbandsinteressen der Gewerkschaft zu solidarisieren, schon deshalb zu kritisieren, weil er schlicht nicht durch das Mandat eines Elternbeirates gedeckt ist. Erst recht wird das Vorgehen aber „anrüchig“, wenn hierfür auch noch – wie im Fall meines Sohnes – 11jährige Kinder, die naturgemäß noch nicht in der Lage sind, sich nach Abwägung aller relevanten Gesichtspunkte ein differenziertes Meinungsbild zu bilden, „eingespannt“ werden, um den Druck auf die Eltern zu erhöhen. Gegen diese Instrumentalisierung meines Sohnes verwahre ich mich ganz entschieden, wofür Sie eigentlich doch das größte Verständnis haben müssten, stellen Sie doch selbst fest:
    „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!“ Oder gilt dies nur für Ihnen genehme (politische) Meinungsäußerungen?

    Abschließend noch ein Wort zu meiner von Ihnen erwähnten Aussage, dass ich die Spar- und Organisationsmaßnahmen der Landesregierung „wenigstens in Teilen“ für fragwürdig halte. Diese Einschränkung ist dem Umstand geschuldet, dass die geplanten bzw. erwogenen Maßnahmen der Landesregierung sicher einer wesentlich differenzierteren Betrachtung bedürfen als von Ihnen insbesondere am Schluss Ihrer Mail zum Ausdruck gebracht wird. Ganz sicher wäre es völlig überzogen, im Falle der Umsetzung der Maßnahmen „nur noch eine minimale Grundbildung“ für unsere Kinder gleichsam an die Wand zu malen. Der Tenor Ihrer Ausführungen blendet im Übrigen völlig aus, dass zur Sicherung der Zukunft unserer Kinder nicht nur eine solide Bildung erforderlich ist, sondern auch die künftige Beherrbarkeit öffentlicher Schulden. Diesem Ziel dient ja grundsätzlich z.B. auch die moderate Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrern, gegen die sich – aus verbandspolitisch durchaus nachvollziehbaren Gründen – insbesondere die GEW wehrt.
    Auch andere Teile der bildungspolitischen Maßnahmen wie die öffentlich „zerredete“ Einführung der sog. „Y-Oberstufe“ scheinen mir besser als ihr Ruf zu sein. So berichtete die „Welle Nord“ vor einigen Wochen mit „O-Tönen“ von betroffenen Eltern, Lehrern und Schülern ausnahmslos positiv über ein entsprechendes Versuchsprojekt in Barmstedt. Kritikwürdig erscheint mir dagegen z.B. das geplante starke Beschneiden der Möglichkeiten von Gemeinschaftsschulen, eine zum Abitur führende Oberstufe einzurichten.

    Da Sie offenbar Ihre Stellungnahme im Internet veröffentlicht haben, erlaube ich mir, mit einer Antwort entsprechend zu verfahren.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Schalies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: